Am 6. Januar feiern die Schweizerinnen und Schweizer den Dreikönigstag – landauf, landab werden Dreikönigskuchen gegessen und Könige und Königinnen für einen Tag gesucht. Der Kuchen ist jedoch nicht überall in der Schweiz der gleiche, wie ein Blick in die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin zeigt.
- Dreikönigskuchen: schweizweite Tradition mit regionalen Unterschieden.
- Ein Rezept von 1952, inspiriert von historischen Bräuchen, führt zur heutigen Version.
- Galette des Rois in der Romandie, Hefekranz in Deutschschweiz und Tessin.
- Berühmte Aktion 1960: «Drei Könige» per Helikopter nach Chandolin geflogen.
- Wer die Figur findet, wird für einen Tag Königin oder König.
Am Dreikönigstag feiern wir das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) und erinnern uns an die Ankunft der Heiligen Drei Könige beim Jesuskind. Am 6. Januar suchen die Schweizerinnen und Schweizer mit Spannung die kleine Figur im Dreikönigskuchen. Wer sie findet, darf für einen Tag Königin oder König sein. Die moderne Form des Brauchs ist erstaunlich jung und wurde erst in den 1950er-Jahren in der ganzen Schweiz eingeführt.
Französische Wurzeln der Schweizer Erfindung
In der Westschweiz war der Dreikönigskuchen schon vor dem 20. Jahrhundert punktuell bekannt und orientierte sich an der französischen Galette des Rois: Ein Kuchen mit Frangipane (Mandelcreme) mit versteckter Bohne, wie sie am französischen Hof seit dem 17. Jahrhundert üblich war. Historische Wurzeln lassen sich sogar bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurückverfolgen.
Der heute landesweit verbreitete Dreikönigskuchen aus Hefeteig ist eine fast ausschliesslich schweizerische Erfindung. Er geht auf den Gebäckforscher Max Währen zurück, der schon in den 1940er-Jahren zu den historischen Wurzeln des Brauchs forschte und gar Hinweise von 1390 fand. Zusammen mit der Bäckereifachschule Richemont entwickelte er 1952 ein Rezept, das den Kuchen in der ganzen Schweiz populär machte.
Spektakulärer Durchbruch im Wallis
Die ersten Verkäufe blieben bescheiden: 50’000 Kuchen im ersten Jahr. Der Schweizerische Bäckermeisterverband steigerte die Aufmerksamkeit durch gezielte Marketingaktionen.
Den endgültigen Durchbruch erzielte 1960 eine spektakuläre Aktion im Val d’Anniviers VS, als der legendäre Pilot Hermann Geiger die «Heiligen Drei Könige» per Helikopter nach Chandolin brachte – ein Ereignis, das landesweit Schlagzeilen machte.
Hefekranz in der Deutschschweiz und im Tessin
In der Deutschschweiz wie auch im Tessin ist der kranzförmige, süsse Hefekuchen beliebt. Ein grosses Mittelstück wird von kleineren Brötchen umgeben, dekoriert mit Mandelblättchen und Hagelzucker. Der Klassiker enthält Rosinen, Varianten mit Schokolade oder Nüssen sind ebenso beliebt. In einer Kugel steckt traditionell eine kleine Königsfigur oder eine Bohne.
Galette des Rois in der Romandie
In der Westschweiz dominiert die Galette des Rois: Blätterteig mit einer Mandelfüllung – lokal oft Pithiviers oder Frangipane genannt – und einer versteckten Porzellanfigur, der «fève», in Erinnerung an die ursprüngliche Saubohne im Kuchen. Viele Romands sind «verrückt» nach diesen Porzellanfiguren und sammeln sie wie die Franzosen auch.
Auch in der Westschweiz ist die Vielfalt gross: Vanille- oder Orangenblütenaroma, moderne Kreationen mit Haselnuss-Zartbitterschokolade oder Apfel-Birne und gesalzener Caramelbutter, und sogar zweigeteilte Hefekuchen mit flambierter Deckschicht und Patisseriecreme gibt es.
Krone auf – Spass und Brauchtum für alle
Der Dreikönigskuchen verbindet kulinarischen Genuss spielerisch mit dem Brauchtum: Wer die Figur findet, wird für einen Tag zur Königin, zum König. Kinder dürfen z. B. entscheiden, was gespielt oder gegessen wird; in Betrieben bestimmt die gekrönte Person, wer Kaffee holt. Eine Zusatzregel kann sein, dass der König den Kuchen im nächsten Jahr bäckt.
«Du bisch de Chönig!» «Vive la reine!»