Seit jeher verspürte ich den tiefen Wunsch, einmal wie ein Cowgirl durch die Weiten der Prärie zu galoppieren. Nie hätte ich mir erträumen lassen, dass die Realität mir den Atem rauben würde. Und das ganz ohne rasanten Galopp.

Bryce Canyon City: 35 Grad, die Sonne brennt. Das Haar hält schon lange nicht mehr – immerhin das Baseball-Cap. Ich stelle mich in den Schatten vor der Hotellobby des «Rubys Inn» und warte auf unseren Reittour-Guide, der uns auf den verheissungsvollen «Thunder Mountain Ride» durch den Red Canyon abholen soll. Ein riesiger Pick-up mit Pferdetrailer fährt vor. Ich höre im Hänger die Pferde schnauben. Die Vorfreude steigt. Die Tür des «Monstertrucks » öffnet sich und eine etwa 1,65 Meter grosse Blondine steigt aus und begrüsst mich: «Hi, I'm Sheanna, I'm your guide for today.» Ich traue meinen Augen nicht, denn ich habe mit einem Marlboro- Mann im Flanellhemd gerechnet. Nach wenigen Sekunden auf der Strasse mit dem rund acht Meter langen Fahrzeuggespann wird mir klar: Sheanna kann mit jedem Cowboy mithalten. Gekonnt fährt sie entlang der kurvenreichen, schmalen Strasse zum Ausgangsort unserer Tour am Red Canyon. 15 Minuten später sind die Pferde ausgeladen, gesattelt. Hoffnungsvoll begrüsse ich «mein» Quarter Horse für den heutigen Ritt, «Dun Money». Er scheint ein freundlicher Zeitgenosse, der er auch beim Aufsitzen bleibt. Im Westernsattel eines ehemaligen Cutting- Champions* startet der Ritt recht unspektakulär durch den Pinienwald des Dixie National Forest, eines rund zwei Millionen Hektar grossen Nationalparks in Utah. Darin eingebettet liegt der Red Canyon. Er ist kleiner als der bekanntere und direkt benachbarte Bryce Canyon, kann es jedoch in seiner landschaftlichen Schönheit durchaus mit dem grossen Bruder aufnehmen. Er besticht vor allem durch seine aussergewöhnlichen roten Felsformationen, die sogenannten «Hoodoos».

Tipp

Sich einmal wie ein Cowboy fühlen

Hoch zu Ross die versteckten Geheimnisse des Red Canyon und die Einsamkeit des Wilden Westens, entdecken. Ruby's Horseback Adventures bietet Ritte für Anfänger und fortgeschrittene Reiter.

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*Cutting

Cutting ist eine Disziplin des Westernreitens, bei dem im Wettkampf mit Rindern gearbeitet wird. Die Pferde sind mit einem sogenannten «Cow Sense» ausgestattet, der sie instinktiv zur Rinderarbeit treibt.

In Butch Cassidys Versteck

Der Wald lichtet sich, der Anstieg beginnt. Sheanna weist uns an, nun hintereinander zu bleiben. Der Weg wird schmäler und schmäler, steiler und steiler. Sheanna wird gesprächiger. Eigentlich arbeite sie als Radiologin am regionalen Spital. Das hier – und sie zeigt auf ihr Pferd –, sei ihr Hobby. Vor allem aber erzählt sie uns vom Viehtrieb bei ihrem Grossvater, der über 1000 Stück Black Angus hält, und von den unzähligen Rodeos, die sie geritten sei. Sheanna ist «Former youth world champion in breakaway roping», einer Disziplin des Rodeos, bei der Kälber aus dem Sattel mit dem Lasso gefangen werden. Durch und durch ein Cowgirl. Hier im Red Canyon, so sagt sie, hat einst der berühmt-berüchtigte Butch Cassidy sein Unwesen getrieben und sich nach Beutezügen vor dem Recht versteckt. Er, der mit richtigem Namen Robert Leroy Parker hiess, ist ganz und gar nicht nur eine Erfindung Hollywoods. Der Sohn mormonischer Siedler aus England gehörte einst zu den berüchtigtsten amerikanischen Gesetzlosen. Er versuchte es mit der Viehzucht, merkte aber bald, dass Bank- und Eisenbahnüberfälle mehr Reichtum bringen.

Ein Augenblick für die Ewigkeit

Wir erreichen den höchsten Punkt des Red Canyon. Vor mir die unendliche Weite des Wilden Westens. Ich bin tief berührt. Für einen kurzen Moment bleibt mir fast der Atem weg. Und dies ganz ohne flotten Galopp. Es ist einer dieser Momente, von denen du weisst, dass er sich für die Ewigkeit in dein Gedächtnis brennt. Einer dieser Momente, in denen dir bewusst wird, wie klein wir Menschen doch sind und wie gross die Natur ist. Sheanna zeigt in die Ferne. Dort, wo das Gras wieder grün und fett werde, dort habe ihr Grossvater seine «Cattle Ranch» (zu Deutsch: Rinderfarm).

Inspiration Reise Vom schwarzen Rind, das über den grossen Teich kam Rind

Black Angus: die Geschichte eines «amerikanischen Traums»

Die vier Angus-Bullen, die George Grant 1873 von Schottland mitten nach Kansas City in die amerikanische Prärie brachte, waren Teil eines Traums, mit der Rinderzucht in Amerika reich zu werden, erzählt mir Sheanna. Ihren Blick hat sie immer noch auf die kleinen schwarzen Punkte am Ende des Horizonts gerichtet. Grant erlebte seinen persönlichen «american dream» jedoch nicht mehr, er starb fünf Jahre später. Seine Landsmänner, die mit dem gleichen Vorhaben nach Amerika gereist waren, kehrten bald in ihr Heimatland zurück und holten grössere Angus-Herden aus Schottland, hauptsächlich in den Mittleren Westen. Die vier schwarzen Angus-Bullen sollten die Rinderzucht in den USA nachhaltig verändern. Zunächst einmal wurden die Tiere auf der Viehzuchtausstellung 1873 in Kansas City sehr misstrauisch und kritisch begutachtet. Zu jener Zeit waren Kurzhornrinder die vorherrschende Rasse auf dem amerikanischen Markt. Die schwarzen, hornlosen Rinder sorgten für Aufsehen. Grant kreuzte die Rasse mit dort ansässigen Langhornrindern. Heraus kamen hornlose, schwarze Kälber, welche den harten amerikanischen Winter gut überstanden. Die Angus-Rinder überwinterten besser als viele andere Rassen und wogen zum nächsten Frühjahr wesentlich mehr: eine erste Demonstration der Vorteile der Rasse «Black Angus». Sheanna erklärt mir, um zur Rasse der Angus zu zählen, müsse ein Tier zu 51 Prozent Angus- Genetik besitzen. Das heisst, der Vater des Rinds muss ein registrierter Angus- Bulle sein. Zudem muss das Muttertier zumindest eine Angus-Kreuzung sein. Das Fleisch des Angus-Rindes ist dunkelrot und von zarter Marmorierung. Durch die ganzjährige Weidehaltung hat es weniger Fett und Cholesterin. Seit das Angus-Rind 1873 in Kansas City für Aufsehen sorgte, hat die Rasse einen beispiellosen Siegeszug hinter sich. Es ist heute eine internationale Rasse.

Drei Stunden später. Den steilen Abstieg durch den Canyon hat mein routinierter Begleiter mit Bravour gemeistert, unser «Thunder Mountain Ride» endet, wie er begonnen hat – zwischen dichten Ponderosa-Pinien. Etwas Wehmut macht sich breit. Bald darauf lassen wir den Red Canyon und den Bryce Canyon hinter uns. Diesmal mit einem vierrädrigen anstatt einem vierbeinigen Untersatz. Weiter geht die Fahrt in den Capitol Reef National Park, eine weitere spektakuläre Sehenswürdigkeit des Grand Circle. Aber dies eine andere Geschichte. Eines aber begleitet uns bis zum Ende unserer Reise: schwarze Rinder auf nie endenden, grünen Weiden und Steppen.

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Black Angus Beef

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Grand Circle

Als Grand Circle wird die Rundreise im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet. Sie führt je nach Strecke durch Nationalparks und zahlreiche National Monuments in den Bundesstaaten Arizona, New Mexico, Colorado, Utah und Nevada. Die Landschaft des Grand Circle zählt zu den beeindruckendsten geologischen Landschaften der Vereinigten Staaten und trumpft mit unzähligen Naturwundern auf.

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Autorin Nina Vagli WF19515

Nina Vagli

Autorin

Hier teile ich meine Begeisterung für Ungewöhnliches aus dem Bereich Essen und Trinken.